Bonusszene Ms. Off-Limits & Mr- Don’t-You-Dare

ANNA

Als ich meine Augen öffne, blinzle ich gegen die Morgensonne, die dank der noch nicht angebrachten Vorhänge genau auf das Bett und damit in mein Gesicht scheint. Ich will mich gerade genüsslich strecken, als ich gegen einen warmen, menschlichen Widerstand stoße. Ein wirklich sehr attraktiver, gut gebauter Widerstand, der seine Arme fest um meinen Körper geschlungen hat. Noah. Er brummt etwas Unverständliches, wobei … es klingt verdächtig nach: „Mach das Licht aus.“

Ich schmunzle, weil er immer noch die Lider geschlossen hält und so gemütlich wirkt. „Würde ich ja gern, aber das würde vermutlich eine neue Eiszeit erzeugen. Damit wäre wohl niemand einverstanden“, sage ich und will mich langsam aus seiner Umklammerung schälen.

Herrlich verschlafen öffnet er ein Auge. „Wenn das bedeutet, dass ich dich dafür hier im Bett halten kann, bin ich geneigt, das Risiko einzugehen“, sagt er und lässt seine Hände aufregend langsam über meinen Körper wandern. Allein dadurch hat er mich fast überzeugt, zurück ins Bett zu sinken. Noah Quinn ist nach wie vor jede Sünde, jedes Versäumnis wert. Selbst wenn das bedeutet, dass wir niemals unsere Kartons ausräumen werden.

Ich bin ihm einfach völlig verfallen und liebe seine freche Art. Erst gestern haben wir nicht nur all sein Zeug gepackt und hier abgeladen, sondern auch meins. Es ist immer noch vollkommen überwältigend, dass wir ab jetzt wirklich in diesem traumhaften Haus, das ich mir vermutlich allein nie hätte leisten können, zusammenleben werden. Noah Quinn und Anna-Rose Navarro. Vollkommen absurd, und gleichzeitig hämmert mein Herz wie wild in meiner Brust beim bloßen Gedanken daran. Das größte Abenteuer meines Lebens ist, mein Leben mit ihm zu verbringen. Und das mitten in Rosewood.

„Wir sollten besser aufstehen. Immerhin gibt es Tausende Dinge zu tun … Keine Ahnung, wo ich meine Kleidung finden soll“, überlege ich.

„Das kann warten“, murrt er direkt in mein Ohr und erzeugt ein Prickeln, das durch meinen gesamten Körper wandert. Seine Hände schiebt er unter das Shirt, das eigentlich ihm gehört und in dem ich die Nacht geschlafen habe. Mein Zeug ist irgendwo vergraben und noch weit davon entfernt, eingeräumt zu werden.

„Ach ja?“, sage ich amüsiert. „Du bist es nicht, der nackt durch Rosewood laufen muss.“

„Ich könnte dir eine gewisse karierte Tischdecke empfehlen“, scherzt er und bringt uns damit beide zum Lachen, weil es uns an den Anfang unserer gemeinsamen Geschichte erinnert. „Hast du eigentlich eine Ahnung, wie sexy du darin bist?“, raunt er mir mit einem schelmischen Blick zu. „Wir sollten dieses Outfit etablieren.“

„Schottenröcke sind in Schottland weitverbreitet.“

„Wir sollten dort Urlaub machen.“

„Ich möchte Hosen, Kleider, Pullover tragen.“

„Ach echt?“, fragt er enttäuscht.

„Für dich werde ich hin und wieder eine Ausnahme machen, wenn du magst“, verspreche ich.

Er strahlt bis über beide Ohren. „Obwohl ich direkt neben dir geschlafen habe, habe ich in meinen Träumen wild herumfantasiert.“

„Ach ja? Was denn?“, will ich begierig wissen und lasse mich ganz bewusst von ihm und seinem Charme einwickeln.

„Einmal hast du diese Sache mit deiner Zunge gemacht … weißt du? Auf die ich so stehe.“

Ich weiß genau, was er meint, und lasse mich bereitwillig an seinem Körper hinabgleiten, um meine Zunge über seinen Oberkörper wandern zu lassen. Noah keucht, als ich meine Hand in seine Shorts schiebe und zielsicher nach ihm fasse.

„Du weißt einfach genau, wie ich …“

Da ertönt plötzlich ein fremdartiges Geräusch, das ich selbst unter der Decke als unsere Haustürklingel deute. Wir halten inne, und ich decke mich ab.

„Wer zur Hölle ist das denn jetzt?“

„Oh nein, deine Schwester hat gesagt, sie würden heute noch mal kommen, um uns zu helfen, aber doch wohl nicht um …“ Ich setze mich rittlings auf Noah, was ihm ein lustvolles Seufzen entlockt. Doch ich greife bereits nach meinem Handy. „Oh Mist. Es ist schon zehn Uhr. Das dürfte den Stand der Sonne erklären und … na ja, die vielen Nachrichten deiner Familie, in denen steht, dass sie in wenigen Minuten hier sind.“

Zerknirscht betrachte ich ihn. Noah packt meine Hüften und intensiviert die Reibung unserer Körpermitten. Das Verlangen schwappt wie ein Tsunami durch meinen Körper.

„Oh, Noah, aber …“

Seine Hand gleitet hinab zum Bund meines Höschens und schiebt es zur Seite, was mich völlig aus der Fassung bringt. „Sie können warten.“

„Hat Eden nicht noch einen Schlü …“, entfährt es mir fahrig, weil ich drohe, den Verstand zu verlieren, als seine Hände in das empfindsame Fleisch greifen.

„Guten Morgen“, trällert da bereits jemand durchs Haus, dessen Stimme sich verdächtig nach Logan anhört.

„Wie konntest du ihr nur einen Schlüssel geben?“, sagt Noah anklagend.

„Sie hat immer einen Schlüssel von meiner Wohnung gehabt. Für Notfälle“, rechtfertige ich mich.

„Ich habe heute einen ganz anderen Notfall, Mademoiselle“, schimpft er mit seinem grotesk in die Länge gezogenen französischen Akzent. „Ich werde hierbleiben müssen, bis er“ – er deutet auf seinen Penis – „ein wenig von dir gestreichelt wurde, ansonsten, fürchte ich, hat er ein ähnliches Durchhaltevermögen wie nach drei Pillen Viagra.“

„Noah“, warne ich ihn. „Sie werden hier reinkommen.“

„Das sollen sie nur wagen …“

„Es sind deine Geschwister.“

Er stöhnt und lässt von mir ab. „Du hast recht.“

Und schon erklingt ein Ruf durchs Haus, der einen seltsamen Widerhall erzeugt. „Was immer ihr da treibt, kommt lieber schnell runter in die Küche, bevor wir uns zum Kaffeetrinken zu euch ins Bett sinken lassen!“, droht Logan.

„Er scherzt nur, oder?“, will ich wissen, doch Noah verzieht sein Gesicht zu einer unsicheren Grimasse.

„Da es sich um meine Familie handelt, würde ich mal von allem ausgehen.“

Noch während er redet, springe ich blitzschnell von ihm herunter. In Windeseile habe ich mir ein paar Kleidungsstücke übergeworfen: Eine zu weite Joggingshorts von ihm, die ich oben am Bund sehr eng zurren muss, meinen BH-Hemdchen von gestern und das Shirt von Noah. Dann betrachte ich ihn auffordernd. „Was tust du denn da?“

Er rollt sich halb übers Bett und stöhnt plötzlich auf. „Argh“, entfährt es ihm. „Mir tut alles weh. Jeder Muskel schmerzt.“

Ich hebe die Brauen. „Jeder Muskel?“, frage ich amüsiert. „Etwa vom Umzug?“

„Kaum zu glauben, oder? Ausgerechnet einen Ex-Profisportler und Sportlehrer zwingt das Kistenschleppen in die Knie.“

„Umso besser, dass sie da sind“, entfährt es mir.

„Ich werde ihnen ewig dankbar dafür sein, dass sie mir den Sex am Morgen vermiest haben“, knurrt er missmutig.

„Nun … wer weiß, wofür es gut ist, wenn dein Körper gerade nicht voll funktionstüchtig ist …“, werfe ich ein.

„Was heißt hier nicht funktionstüchtig?“, empört er sich.

Ich kichere und schreie kurz auf, als er mich packt, an sich zieht und zurück aufs Bett wirft. „Ich zeige dir genau, wozu ich fähig bin …“

Doch dann klopft es an die Tür des Schlafzimmers.

„Das werdet ihr auf später verschieben müssen“, ertönt nun eine Stimme direkt hinter der Tür.

„Kann man denn in dieser Stadt nicht einmal Ruhe vor seiner Familie haben, wenn man ausgezogen ist?“, stöhnt Noah, dieses Mal nicht vor Lust.

Ich muss über Noahs gequälte Miene lachen und presse mir die Hand auf die Lippen.

„Du hast leicht lachen. Du musst nicht mit einem gewaltigen Ständer durchs Haus laufen, während meine Geschwister da sind.“

„Freu dich doch lieber darauf, was wir tun werden, wenn sie wieder gegangen sind“, schlage ich vor und schenke ihm ein verführerisches Lächeln.

„Das macht es mir jetzt noch schwerer, an irgendwas anderes zu denken als daran, dass du mir …“

„Noah Quinn“, sage ich warnend und halte ihn davon ab, etwas Schmutziges zu sagen.

„Wir kommen rein in eins, zwei …“

„Schon gut, schon gut!“, ruft Noah lautstark durch die Tür, ehe er sich ein Kissen schnappt und vor seinen Schritt hält.

Die Schiebetür öffnet sich, und Logan erscheint, eine Hand vor den Augen. „Bist du angezogen, Anna?“

„Alles sicher verpackt“, verspreche ich.

„Uff, dann ist es ja gut“, sagt er erleichtert, ehe er Noah einen belustigten Blick schenkt. „Und du musst wieder aus der Reihe tanzen, was?“

„Du kennst mich doch …“

„Du bist viel zu gut für dieses Froschgesicht, Anna. Ich habe dich gewarnt.“

„Das Beste an ihm seid sowieso ihr“, verkünde ich, beuge mich vor und hauche Logan einen Kuss auf die Wange, ehe ich mich an ihm vorbeischiebe.

„Hey, du Verräterin, wart’s nur ab, bis du wieder zu mir ins Bett kommst“, ruft Noah mir scherzhaft hinterher.

„Ist das ein Versprechen?“, frage ich verführerisch und drehe mich zu ihm um.

Er grinst schelmisch.

Was habe ich nur für ein Glück mit diesem Kerl, oder?