Bonusszene Magnolias & Mr. Grumpy

Hale

Ich schaue sie interessiert an. »Ist das hier unser erster Streit?«

Sie zuckt mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ist es das?«

»Also meinetwegen müssen wir uns nicht streiten.«

»Meinetwegen müssen wir uns auch nicht streiten, aber du willst ja nicht einsehen, dass du falschliegst.«

»Weil ich nicht falschliege.«

»Tust du wohl.«

»Was ist denn daran falsch, dass ich sage, dass ich in Atlanta sein muss, weil ich da meine Firma habe?«

Sie zeigt auf sich. »Aber was ist daran falsch, wenn ich sage, dass ich meinen Job in Peach Blossom Creek hab und deswegen da sein muss?«

»Aber es gibt auch ein The Roots Project in Atlanta. Da könntest du auch anfangen.«

»Aber ich hab doch auch meine Familie hier.«

»Und ich hab … na ja, Weston und Mrs. Pruitt in Atlanta.«

Sie kneift die Augen zusammen. »Also sorry, aber ich glaube nicht, dass deine Angestellten so viel zählen wie meine Familie.«

»Du magst Mrs. Pruitt.«

»Ja, Weston mag ich auch. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass ich hier nicht nur meine Großeltern hab, sondern auch meine fünf Cousinen, die noch dazu meine besten Freundinnen sind, und Tante Patricia.«

»Deswegen verstehe ich nur zu gut, wenn du vor ihnen fliehen musst.«

Sie versetzt mir einen Stoß. »Du bist total unmöglich.«

Ich seufze. »Ich verstehe, dass du in der Nähe deiner Familie sein willst. Aber es ist ja jetzt auch nicht so, als würdest du sie jeden Tag sehen. Und der Weg von Atlanta aus ist auch nicht so weit, dass du sie nicht mindestens einmal in der Woche sehen könntest.«

»Aber ich könnte nicht im Notfall da sein.« Sie sieht mich an, als wäre ich ein totaler Trottel, weil ich das nicht verstehe.

»Für was für Notfälle musst du denn dringend nach Peach Blossom Creek?«

»Na ja, zum Beispiel wenn Scarlett wieder vergessen hat, rechtzeitig mit dem Einpacken ihrer Handwerkssachen zu beginnen, und dann Hilfe braucht.«

»Aber dann könntest du nach Peach Blossom Creek fahren. Du brauchst eine Stunde und dann kannst du alle Handarbeitsdinge einpacken, die du einpacken willst.«

Sie verdreht die Augen. »Ich hab das Gefühl, dass du es gar nicht von meiner Perspektive aus sehen willst.«

»Ich versuch, eine Lösung zu finden.«

»Ja, ich auch. Und die Lösung ist, dass du nach Peach Blossom Creek ziehst.«

»Das kann nicht die Lösung sein, weil ich nicht zwei Stunden jeden Tag hin- und herfahren kann, um zu meiner Firma zu kommen.«

»Aber du erwartest, dass ich hin- und herfahre.«

»Nein, das erwarte ich nicht, deswegen hatte ich vorgeschlagen, dass du bei The Roots Project Atlanta arbeiten kannst.« Das ist offensichtlich genau das Falsche, was ich hätte sagen können, denn sie sieht mich an, als hätte ich absolut den Verstand verloren.

»Verstehe ich das hier richtig, dass du der Meinung bist, dein Job ist wichtiger als meiner?«

Ich seufze, weil ich natürlich absolut in diese Falle getappt bin. »Nein, mein Job ist nicht wichtiger als deiner, aber …«

»Natürlich kommt ein Aber, was auch sonst.«

»Aber ich hab eine eigene Firma, die ich nicht einfach nach Peach Blossom Creek verlegen kann.«

»Ich verstehe sowieso nicht, warum du denkst, dass du Zeit damit sparen würdest, wenn ich in Atlanta wäre, weil du mindestens zweimal in der Woche hier bist, um das Magnolia-Projekt zu begleiten.«

»Das stimmt«, sage ich langsam, wozu sie die Augen verdreht. »Aber das wird ja nicht für immer sein.«

»Aber schon noch für ein, zwei Jahre.«

»Richtig, aber solange du nicht hoffst, dass unsere Beziehung nur ein, zwei Jahre dauert, würden wir diese ganze Diskussion ja nur vertagen.«

»Aber dann hättest du wenigstens noch ein, zwei Jahre, um zur Besinnung zu kommen.«

»Belle, jetzt mal abgesehen davon, dass wir beide in dieser Situation stecken, stell dir vor, jemand anderes würde dir diese Situation erzählen. Er oder sie würde dir erzählen, dass die eine Person in der Beziehung eine eigene Firma in Atlanta hat, und die andere Person angestellt in Peach Blossom Creek ist. Was würdest du denen raten?«

»Es geht doch aber nicht um irgendjemanden Theoretischen, sondern es geht um uns. Wir müssen doch keine Lösung finden, die für andere okay wäre, sondern eine, die für uns okay ist.«

»Ja, das seh ich auch so. Aber es ist nun mal so, dass ich diese Firma hab.«

»Ich hab das Gefühl, dass du wirklich denkst, dein Job wäre wichtiger als meiner.«

»Er ist nicht wichtiger als deiner. Du hilfst Menschen, während ich normalerweise Malls und Apartmentgebäude baue. Aber ich habe eine Verantwortung für meine Mitarbeiter. Ich kann nicht einfach die Firma einpacken und an einen anderen Standort verlegen, nur damit ich nicht pendeln muss.«

Sie nickt, sichtlich zufrieden. »Also pendelst du.«

»So hab ich das nicht gemeint.«

»Aber jetzt mal ganz ehrlich … Du denkst schon, dass ich einfach meinen Job ändern kann. Dass ich einfach von der einen Stelle auf die andere wechseln kann.«

»Es wäre ja quasi dasselbe.«

Sie seufzt. »Erst mal weißt du gar nicht, ob sie in Atlanta momentan Leute einstellen. Das ist schon mal die erste Sache. Und dann wäre es nicht dieselbe Stelle. Weil ich jetzt das Büro leite, und da wäre ich dann nur eine ganz normale Angestellte. Und es geht mir überhaupt gar nicht um irgendwelche Machtfantasien. Aber wenn man nicht ständig nachfragen muss, um etwas zu entscheiden, dann kann man auch viel mehr Menschen helfen.«

»Aber in Atlanta könntest du noch mehr Menschen helfen, einfach weil mehr Menschen vorhanden sind.«

»Ja, aber wer soll denn dann für die Menschen in Peach Blossom Creek da sein?« Sie sieht mich mit großen Augen an. »Wer wird für das Magnoliaviertel genauso kämpfen, wie ich das getan habe? Wer wird diesem merkwürdigen Bauunternehmer die Stirn bieten, wenn er sich doch nicht an seine Zusagen hält?«

»Du kannst mir jeden Tag auf die Finger gucken. Wenn du in Atlanta bist, kannst du mir sogar öfter auf die Finger gucken.«

Sie schüttelt den Kopf. »Und ich hab doch das Haus meiner Eltern.«

Ich nicke, weil das natürlich stimmt. Und ich weiß auch, dass ihr ihre Eltern fehlen, und sie deswegen ganz besonders an diesem Haus hängt. Aber es ist einfach nicht so praktikabel, wenn einer von uns jeden Tag mindestens zwei Stunden pendeln muss – und das auch nur, wenn kein Verkehr herrscht.

»Ich weiß. Und ich würde auch nicht erwarten, dass du es aufgibst.«

»Aber so wirklich sinnvoll ist es ja nicht, wenn ich mir hier eine Art Ferienhaus in Peach Blossom Creek halte.«

»Geld spielt keine Rolle.« Und das war absolut das Falsche, was ich hätte sagen können. Das sehe ich, als sie die Augen zu winzig kleinen Schlitzen zusammenpresst.

»Denkst du, nur weil du das ganze Geld hast, kannst du auch bestimmen?«

»Hattest du jemals den Eindruck, dass ich so denken würde?«

Sie verschränkt die Arme vor der Brust. »Nein, was ich aber merkwürdig finde. Schließlich weiß man ja, wie ihr Reichen seid.«

»Bevor es jetzt hier persönlich wird …«

»Es ist doch schon persönlich. Du denkst, dass du mehr Anrecht darauf hast, dass wir bei dir wohnen, als ich Anrecht darauf hab, dass wir bei mir wohnen.«

Ich seufze.

»Jetzt tu nicht so, als wärst du furchtbar genervt von mir und ich wäre absolut irrational.«

Ich sollte jetzt auf gar keinen Fall sagen, dass sie gerade auch etwas irrational handelt, glaube ich. »Das denke ich auch nicht. Ich möchte nur eine Lösung finden, damit ich so viel Zeit wie möglich mit der Frau verbringen kann, die ich liebe.«

Sie schüttelt den Kopf. »Das ist manipulativ.«

»Dass ich dich liebe, ist manipulativ?«

»Dass du es jetzt erwähnst, während wir versuchen, eine Lösung zu finden.«

»Aber das ist doch die Grundlage von allem. Unsere Liebe.«

»Du bist ganz schön doof.«

Ich schenke ihr ein Grinsen. »Das wusstest du schon vorher.«

Sie seufzt, als würde sie die Last der ganzen Welt auf ihren Schultern tragen. »Das ist allerdings wahr.«

»Okay, fein. Machen wir eine Pro-und-Contra-Liste.«

»Na gut.«

»Warum willst du in Peach Blossom Creek bleiben?«

Sie hebt den Zeigefinger. »Erstens, weil meine Familie dort wohnt. Bis auf meine Eltern ist es meine gesamte Familie, die dort ist.« Sie fügt den Mittelfinger hinzu. »Zweitens, weil ich dort einen Job hab, den ich liebe, und den ich auch gerne weiter ausführen möchte. Und ich glaub, dass ich gute Arbeit für das Magnoliaviertel leiste, und ich denke, dass die Arbeit noch nicht getan ist.« Dann fügt sie den Ringfinger hinzu. »Und drittens, weil ich das Haus liebe.« Und dann sieht sie mich so verletzlich an, dass ich weiß, dass das nicht unbedingt die Reihenfolge ist, wie sich das für sie anfühlt.

»Okay. Das versteh ich.«

»Was sind deine Gründe?«, fragt sie dann.

Ich seufze. »Ich hab nur einen Grund. Und das ist meine Firma. Also die steht natürlich für die Verantwortung für die Mitarbeiter und die ganzen Projekte und meine Kunden und so weiter. Aber im Grunde ist das mein einziger Grund.«

»Hab ich dann gewonnen, weil ich drei Gründe hab?«, will sie hoffnungsvoll wissen.

Ich lache auf. »Kannst du dir gar keine Lösung vorstellen?«

»Doch, natürlich. Du ziehst nach Peach Blossom Creek.« Und dann schenkt sie mir ein Lächeln, dem ich kaum widerstehen kann.

Ich seufze. »Okay, wenn dich das glücklich macht, dann machen wir das so.«

Sie sieht mich skeptisch an, runzelt die Stirn. »Du willst das doch jetzt nur machen, um mich glücklich zu machen.«

»Was ist daran falsch? Das ist doch das Ergebnis, das du haben wolltest.«

»Aber doch nicht so. Ich wollte dieses Ergebnis haben, weil du einsiehst, dass es die beste Lösung ist, nicht weil du das jetzt nur für mich tust und mich dann irgendwann hassen wirst, weil du jeden Morgen im Stau stehst und ganz viel Lebenszeit verschwendest.«

Ich schüttele amüsiert den Kopf. »Ich werde dich nicht hassen. Das könnte ich gar nicht.«

»Ja, das sagst du jetzt. Aber das hört man ja immer wieder. Dass ein Partner etwas nur für den anderen tut, und dann immer mehr Widerstand und Abneigung und Hass entsteht, weil man hinter diesen Entscheidungen nicht wirklich steht.«

Ich rücke den Stuhl vom Tisch ab und deute auf meinen Oberschenkel. Sie schenkt mir zwar einen abschätzigen Blick, kommt aber doch und setzt sich auf meinen Schoß. Ich lege meine Arme um sie.

»Wenn ich das mache, dann steh ich da auch hinter.«

»Ich will nicht, dass du mich hasst.«

»Du Nuss, ich liebe dich. Ich könnte dich gar nicht hassen.«

»Ich wette mit dir, wenn du für die Fahrt drei Stunden statt einer brauchst, ändert sich das.«

»Das wird sich nie ändern.«

Sie seufzt. »Was wäre … Nun ja, was wäre, wenn wir in die Mitte ziehen? Irgendwo in einen der äußersten Vororte von Atlanta zum Beispiel. Dann bräuchtest du nicht so lange zu deiner Firma und ich könnte weiterhin in Peach Blossom Creek arbeiten. Und wir könnten das Haus behalten und vielleicht die Wochenenden da verbringen.«

Ich umfasse ihr Gesicht. »Wär das für dich okay?«

»Würde dich das glücklich machen?«

»Das würde mich sehr glücklich machen.«

Sie kneift die Augen zusammen. »Ich wusste, dass du anfangen würdest, mich zu hassen, wenn du pendeln musst.«

Ich lache auf, bevor ich meine Lippen auf ihre drücke. »Du bist so eine Nuss.«

Sie schlingt die Arme um meinen Hals. »Wär das eine Lösung, mit der wir beide leben könnten?«

»Also, ich könnte damit leben.«

»Ich auch.« Und dann grinst sie mich an. »Aber …« Und dann fällt ihr Gesicht. »Aber ich kann es mir gar nicht leisten.«

Ich runzele die Stirn. »Auf die Gefahr hin, dass du mir wieder vorwirfst, dass die Reichen alles bestimmen wollen: Geld wäre nicht das Problem.«

»Doch, wäre es. Schließlich möchte ich auch meinen Anteil leisten.«

»Würdest du doch. Schließlich würden wir von Freitagnachmittag bis Montagmorgen, also quasi die Hälfte der Woche, in deinem Haus wohnen. Und die andere Hälfte der Woche würden wir in dem neuen Haus wohnen, das ich für uns kaufe.«

»Das hast du dir ja hervorragend ausgedacht.«

»Hey, das ist einfach nur Mathematik.« Ich grinse sie an.

Sie verdreht die Augen, bevor sie sich an mich kuschelt. »Fühlst du dich da nicht ausgenutzt?«

»Ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Ich würde mich freuen, für dich sorgen zu dürfen.«

»Ich wusste es. Eigentlich willst du, dass ich Hausfrau bin.«

Ich lache auf. »Damit würde ich mir doch ins eigene Knie schießen, weil du ja nicht mal kochen kannst.«

Empört hebt sie den Kopf, drückt ihre Hände gegen meine Brust. »Das stimmt zwar, aber das musst du ja so nicht sagen.«

»Haben wir einen Deal?« Ich halte ihr meine Hand hin.

Sie ergreift meine Hand. »Wir haben einen Deal.«

Und dann … Dann küsst sie mich. Und das ist sowieso der beste Deal aller Zeiten.