Bonusszene Ms. Snark & Mr. Spark

Ryan

Wieso pocht mein Puls nur so laut in meinen Ohren?

»Alles okay?«, fragt Lexi.

Ich nicke. »Alles okay«, krächze ich.

»Sicher?«

Ich schaue sie an. »Ja, wieso?«

»Weil du ungewöhnlich viel schwitzt.«

Ich fahre mir über die Oberlippe. »Oh, keine Ahnung. Ist ziemlich warm.«

»Eigentlich gar nicht.«

»Doch, schon.«

»Bist du in den Wechseljahren?«

»Hey, darüber macht man keine Scherze.«

Sie lacht auf. »Was ist los?«

»Na ja … man lernt nicht jeden Tag die Mutter seiner Freundin kennen.«

»Verstehe. Mein Vater wird auch da sein.«

»Ja, aber deine Mutter ist Valerie Parker. Die Valerie Parker.«

»Sie besteht auch nur aus Knochen und Blut.«

»Und einem krassen Gehirn.«

»Manche sagen, das hätte sie an ihre Tochter vererbt.«

Ich nicke. »Ja, Janie ist echt klug.«

Sie gibt mir einen Stoß. »Blödmann.«

Ich lege meinen Arm um ihre Schulter, will sie an mich ziehen, denke dann aber, dass ich wirklich viel schwitze … Daher lasse ich sie los.

»Ist das Angst oder Aufregung?«, will sie wissen.

»Ein bisschen von beidem. Nein, das ist gelogen. Es ist sehr viel von beidem.«

»Wir müssen nicht hingehen.«

»Irgendwann muss ich deine Mutter ja mal kennenlernen.«

»Aber vielleicht machen wir es spontan.«

»Spontan?«

Sie grinst mich an. »Ich verrat dir einfach nicht, wann wir sie treffen, und du denkst dann, es ist eine normale Datenight.«

»Das hört sich traumatisierend an.«

»Und das hier nicht? Du siehst aus, als würdest du wegschwimmen.«

»Klar, mach das bisschen Selbstbewusstsein, das mir noch bleibt, auch kaputt.«

Lachend hakt sie sich bei mir ein. »Ich sollte nicht überrascht sein. Du warst schon immer ein Fanboy.«

Ich bleibe stehen, schaue das Haus an, zu dem Lexi mich geführt hat. »Ist es das?«

»Du hörst dich an, als hätte ich dich zur Guillotine geführt.«

»Bei dir weiß man nie.«

In dem Moment wird die Tür aufgerissen, und die Valerie Parker steht da. Lächelnd, die Arme ausgebreitet.

»Na, endlich!«, ruft sie aus, stürmt aus dem Haus, umarmt ihre Tochter.

Ich stehe wie ein Trottel daneben, weiß nicht, was ich tun soll. Schließlich ist es die Valerie Parker. Richterin am kalifornischen obersten Gerichtshof. Vorher Bürgerrechtsanwältin. Anbetungswürdig für all die Arbeit, die sie geleistet hat.

»Hey, Mom. Ich freu mich auch.« Lexi lächelt ihre Mom an, auf eine Weise, die zeigt, dass sie ein wirklich gutes Verhältnis zueinander haben. Und das haben Eltern und Kinder nur, wenn es so richtig gute Eltern waren. Das mag ich.

»Das ist Ryan. Normalerweise hat er kein Schweißdrüsenproblem.«

»Danke«, erkläre ich trocken, bevor ich ihrer Mutter die Hand hinhalte. »Mrs. Parker, es ist mir eine absolute Ehre.«

Sie lacht auf. »Ach, was. Sag Val zu mir.«

Also das … das werde ich garantiert nicht tun.

Und dann schüttelt sie meine Hand, und ich habe mich noch nie so geschämt, weil ich das Gefühl habe, sie ist tropfnass.

»Kommt rein, kommt rein.« Und wischt sie sich da die Hand dezent an der Hose ab?

»O Gott«, murmele ich leise, damit mich niemand hört.

»Alles gut. Sie ist auch nur ein Mensch.« Lexi will nach meiner Hand greifen.

»Lieber nicht. Sie sind klatschnass.«

Aber sie nimmt sie trotzdem, drückt sie. »Überhaupt nicht.« Sie sieht mich an. »Hey, wenn dich das hier zu sehr stresst, sag ein Wort, und ich hol sofort das Auto. Wir können mit quietschenden Reifen davonfahren.«

Ich lächele sie dankbar an. »Was würden deine Eltern davon halten?«

»Das ist mir vollkommen egal. Du bist mir wichtig.«

Ich drücke einen Kuss auf ihre Schläfe. »Danke.«

Wir folgen ihrer Mutter ins Haus.

»Schatz, sie sind da!«, ruft ihre Mutter, und aus einem der Räume, die an die Diele grenzen, kommt ein mittelgroßer Mann, der eine Strickjacke trägt, eine Brille und das Haar ordentlich gekämmt.

Er sieht mich an, bevor er seine Hand ausstreckt. »Schön, Sie kennenzulernen.«

Ich schüttele seine Hand. »Mich freut es auch, Sir.«

Er nickt, betrachtet mich, bevor er sagt: »Das Essen ist gleich fertig. Kommt doch schon mal ins Wohnzimmer.«

Wir alle drei folgen ihm. Lexi drückt meine Hand. »Die erste Hürde hast du hinter dir.«

»Die Vorstellung?«

»Dass er dich hereingebeten hat.«

»Ich dachte, dein Vater ist der Nette.«

»Doch nicht, wenn es um seine Töchter geht«, scherzt sie. Hoffe ich.

»Dann muss ich eigentlich ihn überzeugen, nicht sie?«

»Mom ist da modern. Wen immer Janie und ich uns aussuchen, ist für sie okay. Aber Dad …«

Ich schaue zu dem Mann, den ich für harmlos gehalten habe. Das ändert meine ganze Strategie. »Sag mir, wie ich ihn beeindrucken kann.«

»Wo wäre denn da der Spaß?«

»Lexi, quälst du den armen Kerl?«, fragt Mrs. Parker.

»Nur ein bisschen.«

»Setz dich zu mir, Ryan.« Sie klopft auf die Couch neben sich.

Wie nah soll ich mich zu ihr setzen? Zu nah, und es wirkt, als wollte ich auf ihren Schoß. Zu weit weg, und sie befürchtet, ich könnte sie nicht leiden. Oder, dass sie stinken würde.

Entscheidungen, Entscheidungen.

Lieber ein bisschen zu weit als zu nah, beschließe ich.

»Möchten Sie etwas trinken?«, fragt Mr. Parker.

»Oh, ähm, ja, sehr gern.«

»Als Aperitif haben wir Negroni, Gin Tonic oder Dry Martini.«

»Dad …«, Lexi schüttelt den Kopf, »lass ihn in Ruhe.«

»Ich biete ihm etwas zu trinken an.« Er sieht sie unschuldig an.

»Du gibst ihm das Gefühl, bei den Royals gelandet zu sein.«

»Er lässt sich davon nicht einschüchtern, oder?«

Einen Moment überlege ich, wie ich darauf antworten soll. »Ein bisschen schon«, sage ich dann ehrlich.

Er nickt. »Ein Bier? Cola? Wasser?«

»Eine Cola wäre super«, antworte ich erleichtert.

Ich schaue zu Lexi, die die Augen verdreht.

Mrs. Parker lacht auf. »So, jetzt will ich alles über dich wissen.«

»Oh, da gibt es nicht so viel«, erkläre ich ein wenig verlegen.

»Also, da muss es jede Menge geben, wenn du meine Tochter überzeugt hast.«

Ich schaue zu Lexi, die sich scheinbar königlich amüsiert. Sie könnte mir ruhig mal helfen …

»Ich würde viel lieber über Sie sprechen, Mrs. Parker. Sie sind eine Legende.«

»Pass auf, dass du auf der Schleimspur nicht ausrutschst«, kommentiert Lexi.

»Val, bitte.« Ganz sicher nicht. »Eine Legende … Muss man dazu nicht unter der Erde sein?«

»Es gibt auch lebende Legenden«, behaupte ich.

Sie grinst mich an. »Gut gerettet. Ich denke, über mich weißt du bereits alles.«

»Aber ich würde gern mehr Details erfahren. Etwa zum Fall Raines vs. U. S. Healthworks Medical Group. Wie sind Sie da zu einer Entscheidung gekommen?«

»Das war tatsächlich ein einfacher Fall«, erklärt sie. »Wir haben uns alle der Erklärung von Richter Jenkins angeschlossen. Bei People vs. Bankston sah es anders aus. Da waren wir uns nicht einig.«

»Das waren die Fälle zum Radial Justice Act, richtig?«

»Ganz genau. Die Frage war, ob vermeintlich harmlose Verstöße unsanktioniert bleiben sollen.«

»Sie haben das Sondervotum geschrieben.«

»Hab ich. Wie hat es die New York Times bezeichnet?«

»Pointiert.«

»Genau.« Sie lacht auf. »Manchmal schaff ich das.«

»Also, ich kenn alle Ihre Urteile, und Sie haben immer sehr gute und pointierte Begründungen.«

»Du schmeichelst mir.«

»Er kriecht dir in den Hintern, Mom.«

Ich schenke ihr einen vernichtenden Blick, den sie mit einem Grinsen quittiert.

»Er ist nur höflich«, verteidigt die Valerie Parker mich. Dann sieht sie zu mir. »Also, erzähl mir etwas über dich. Lexi sagt, du hast als Anwalt gearbeitet und dann jetzt die Leitung des Familienunternehmens übernommen.«

»Genau. Die Firma war in finanzieller Schieflage, ist es noch, aber wir kämpfen uns daraus hervor.«

»Wie ich es verstanden hab, wollte Lexi euch aufkaufen?«

»So ist es. Aber sie hat schließlich davon Abstand genommen.« Ich schaue zu meiner Freundin, will sehen, ob sie vielleicht unangenehm berührt ist, aber sie ist eine gute Schauspielerin.

»Gefällt dir die Arbeit?«

»Tatsächlich sehr. Anfangs hätte ich das nicht gedacht, aber es macht mir Spaß, mit meiner Schwester und meinem Onkel zu arbeiten. Ich hab zwar keine Ahnung von Holz, aber die Geschäfte liegen mir.«

Sie lächelt mich an. »Das freut mich sehr. Ich war immer der Überzeugung, dass man Zufriedenheit bei seiner Arbeit erfahren sollte, weil man im Zweifel ja viel Zeit dort verbringt. Und das Leben ist zu kostbar, um es an doofe Aufgaben zu verschwenden.«

Mr. Parker reicht mir eine Cola. »Das Essen ist auch gleich fertig. Noch fünf Minuten.«

Seine Frau lächelt ihn an. »Danke, Schatz.«

Ich mag, dass die beiden einen wertschätzenden Umgang miteinander haben. Wenn das Lexis Sozialisierung ist, dann hoffe ich, dass es bei uns später auch so ist.

Ich schaue zu ihr, sehe sie lächeln. Sie liebt ihre Eltern. Das macht mich so unglaublich froh.

»Also, Ryan, wann machen Sie eine ehrbare Frau aus meiner Tochter?«

Geschockt schaue ich zu Mr. Parker. »Ähm … wie bitte?«, krächze ich, habe die Cola in den falschen Hals bekommen.

»O Gott, Dad!«

Was soll ich denn jetzt darauf sagen? Dass der Ring schon gekauft ist? Dass ich nur auf den richtigen Moment warte?

»Bald.«

Und jetzt ist es an Lexi, entgeistert zu gucken … Ich lieb’s.

Hier ist der Link zur Reihe.