Bonusszene Plötzlich war es er
Cami
Mein Herz klopft viel zu schnell, ich verkrampfe die Finger in den Blumen, die ich in der Hand halte.
Tief durchatmen, sage ich mir. Ist doch nur für den Rest deines Lebens!
Ein nervöses Kichern entfleucht meinen Lippen, und ich schüttele den Kopf. Puh. Dieses Geheirate stresst ganz schön.
Die Mitarbeiterin des Redners gibt mir ein Zeichen.
Es geht los.
O Gott, wieso werden meine Knie denn jetzt weich?
Ich habe mich dagegen entschieden, am Arm meines Vaters einzutreten. Habe mich dagegen entschieden, meine Trauzeugin vor mir hergehen zu lassen.
Weil das mein Moment sein sollte.
Und ich wollte ganz sicher nicht, dass mein Vater mich in die Ehe gibt … Also bitte. Das ist ganz sicher keine Tradition, der ich folgen möchte.
Aber jetzt … nun ja, jetzt hätte ich doch gern eine Stütze. Dad. Stella. Krücken oder einen Rollator. Irgendwas zumindest, damit ich weiß, dass ich nicht auf halbem Weg umfalle.
Noch einmal nickt sie, dieses Mal ein wenig hektischer.
Ja ja, es ist nicht so, als würde ich gleich weglaufen. Geht mit diesen Knien eh nicht. Wie soll man auf Gelee davonrennen können?
Ich atme tief durch, und schon wieder winkt sie, dieses Mal so, als wäre das ein Affront gegen sei selbst, dass ich mich noch nicht in Gang gesetzt habe. Dabei ist das hier meine Hochzeit.
Ich bin die Braut, niemand fängt ohne mich an. Oder?
Oder denkt sich Logan: Ach, dann nehm ich halt die alte Hattie, die in der ersten Reihe sitzt, wenn meine Braut nicht auftaucht?
Ganz sicher nicht. Hoffe ich.
Ich bin da ziemlich safe, würde ich sagen.
»Ist alles in Ordnung?«, schreiflüstert sie jetzt.
Ich nicke, atme tief durch, ziehe die Schultern hoch, lasse sie runterfallen.
Okay.
Jetzt.
Jetzt spanne ich die Muskeln in meinem Bein an, jetzt hebe ich den Fuß, jetzt den … Ups. Nicht mal angefangen.
Was, wenn ich plötzlich so eine merkwürdige Lähmung bekommen habe? Was, wenn ich nie wieder laufen kann?
»Miss! Kommen Sie!«
Ich versuch’s ja! Das will ich ihr am Liebsten an den Kopf werfen, aber ich muss mich jetzt erstmal auf die Beine konzentrieren, die einfach nicht machen wollen, was ich will.
Die Frau verschwindet, kommt kurz darauf mit einem Handy wieder, reicht es mir. Sieht mich aufmunternd an.
Wieso soll ich denn jetzt telefonieren?
Ich halte es an mein Ohr. »Hallo?«, frage ich misstrauisch.
»Hallo, Darlin’.«
Und sofort fließt Wärme durch mich, sofort wird mein Herz von Liebe geflutet. »Hi.«
»Ich bin der Mann vorne am Altar.«
»Okay!«
Und dann gehe ich los, laufe los, eile durch die Tür. Und als ich ihn dann dort stehen sehe, grinse ich, renne los.
Lachend tritt er mir entgegen, fängt mich auf, als ich ihm um den Hals fliege.
»Ich liebe dich«, murmele ich, schlinge meine Arme um ihn.
»Du glaubst nicht, wie sehr ich dich liebe.«
Ich hebe den Kopf, küsse ihn.
Oh, er ist der Richtige. Ganz eindeutig.
Langsam stellt er mich auf die Füße. »Sollen wir?«
»Definitiv.«
Er streicht über meine Wange, greift dann nach meiner Hand, führt mich zum Altar. Er nickt dem Trauredner zu. »Wir sind soweit.«
Dieser räuspert sich. »Eine stürmische Braut …«
»O ja«, meint Logan, grinst mich an.
»Ich tu, was ich kann.«
Der Trauredner räuspert sich ein weiteres Mal, bevor er sagt: »Weder Camille noch Logan haben nach der Liebe gesucht, aber sie hat sie gefunden. Als beide es am wenigsten erwartet haben. Als sie andere Pläne und Ziele hatten. Aber die Liebe fragt nicht, ob es gerade passt. Sie sagt nicht, schreib mich mal in den Terminkalender in drei Monaten. Sie mag nicht warten und nicht zögern.« Er lächelt hinter seiner Nickelbrille hervor. »Sie kommt in den Momenten, in denen man es nicht erwartet. Sie kommt, wenn es am ungelegensten ist. Sie kommt, wenn man keine Zeit hat. Aber wenn sie dann da ist, wird alles andere unwichtig. Der Zauber der Liebe macht uns alle ein wenig trunken. Aber das ist eben ihre Magie.«
Logan drückt meine Finger. Wir hatten keine Zeit, uns mit dem Trauredner zu treffen, deswegen hat Emory das für uns übernommen. Ein Risiko, klar. Und man könnte auch annehmen, dass es ein Zeichen ist, dass uns unsere eigene Hochzeit nicht so wichtig ist, was nicht der Fall ist, aber Emory würde uns niemals in die Pfanne hauen. Deswegen habe ich nicht Stella gebeten … Bei ihr wäre ich mir nicht sicher, ob sie dem Drang widerstehen könnte, einen Streich einzubauen. Bei mir übrigens auch nicht. Mir würde auch eine teuflische Stimme sagen, dass man sich da doch einen kleinen Scherz erlauben kann …
Aber Emory würde das nie machen.
Und ich denke, dass sie mich nach so vielen gemeinsamen Jahren auch gut kennt.
Ups. Ich sollte wieder zuhören.
»Und manchmal kommt die Liebe eben auch auf einem Motorrad.«
Ich schaue zu Logan, grinse ihn an.
Er sieht immer gut aus. Ist immer sexy. Aber heute ganz besonders. Ich bin verrückt nach ihm. Jetzt noch genauso wie an dem Tag, an dem der heiße Fremde im Pub saß und mich ignoriert hat.
»Ich liebe dich«, sagt er tonlos, bewegt nur die Lippen.
Ich lehne kurz den Kopf an seine Schulter. Was für ein Glück kann man haben?
»Willst du, Camille Mason, den hier anwesenden Logan Dean Roberts zu deinem angetrauten Ehemann nehmen? Dann sprich mir nach. Ich, Camille Mason, …«
»Ich, Camille Mason, nehme dich, Logan Dean Roberts, zu meinem angetrauten Ehemann. Ich verspreche, dich zu lieben und zu ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, bis zum Ende aller Tage.« Ich schaue in ein Gesicht so voller Liebe, das ich schlucken muss. Wie viel Glück kann man haben?
»Logan, sprich du mir nach. Ich, Logan Dean Roberts, …«
Er drückt meine Finger, lächelt mich an. »Ich, Logan Dean Roberts, nehme dich, Camille Mason, zu meiner angetrauten Ehefau …« Hat er das R vergessen oder bin ich einfach aufgeregt? »Ich verspreche, dich zu zu lieben und zu lehren …«
Ich lache auf. »Ah, Lehrer-Schüler-Verhältnis also …«
»Ehren, mein ich.«
»Ja ja, allerdings frag ich mich, was du mich lehren willst …«
»Da fällt mir schon was ein …«
Lachend beuge ich mich vor. »Schmutziges?«
Spätestens jetzt lachen auch unsere Gäste, und als er sagt »Nur«, höre ich Stellas Lachen, natürlich.
Ich lege meine Hand auf seine Brust, grinse ihn an. »Ich bin so froh, dass ich es nicht war.«
»Hey, du wolltest gar nicht erst kommen.« Und dann umfasst er mein Gesicht, küsst mich so innig, dass mir der Atem stockt.
Dieser Mann …
Er lehnt seine Stirn an meine. »Ich liebe dich, Cami. Und ich will nichts mehr, als für den Rest meines Lebens dein zu sein.«
Mir treten Tränen in die Augen, als ich nicke. »Das will ich auch.«
»Dann erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau«, sagt der Trauredner eilig, weil er wahrscheinlich annimmt, dass sonst noch irgendwas dazwischen kommt. »Das hast du zwar schon getan, aber du darfst die Braut jetzt küssen.«
Und das tut er.
Zum Gejohle meiner Freundinnen und unserer Freunde.
Unser Kuss wird ein Lachen wird ein Kuss, bevor er mich so fest in die Arme schließt, dass ich weiß, dass hier … das ist für immer.
Dann greift er nach meiner Hand. »Komm schnell.«
Ich weiß nicht, was er vorhat, aber ich würde ihm auch in die Hölle folgen, also verflechte ich unsere Finger, eile ihm hinterher. Unter Protesten öffnet er die Seitentür, und da steht seine Triumph.
Grinsend nehme ich den Helm entgegen, sehe zu, wie er seinen aufzieht. Sogar weiße Schleifen sind an ihr angebracht.
Er steigt auf, rutscht dann nach hinten.
Habe ich schon gesagt, dass ich ihn liebe?
Meine Freundinnen sind uns nachgekommen, und ich merke, dass ich meinen Strauß noch habe.
Ich suche nach ihr … dann grinse ich, und werfe.
Sie will ihn nicht fangen, das sehe ich … aber sie tut es trotzdem.
Grinsend steige ich auf das Bike, lasse den Motor aufheulen, und brause dann unter dem Jubel meiner Freundinnen, mit meinem Ehemann hinter mir, der mich umschlungen hält, davon.
Nach ein paar Meilen halte ich an, drehe mich halb zu ihm um. »Beste Idee aller Zeiten.« Ich küsse ihn. »Und jetzt?«
Er streichelt meine Wange, lässt seine Hand da. »Jetzt stellen wir meine liebste Fantasie nach.«
»Und die wäre?«
»Du, ich, die Triumph … und Sex.«
Lachend nicke ich. »Hört sich nach purer Perfektion an.«
»Dann bring uns zu einem Ort, an dem sie wahr werden kann.«
»Ich kenn genau den richtigen.«
Ich drehe mich wieder um, fahre los. Der Vorteil an Texas’ unendlichen Weiten ist ja, dass sie beinah menschenleer sind.
So auch diese …
Ich steige ab, lege den Helm ab, bevor ich mich zu ihm umdrehe. Logan stellt die Füße fest auf den Boden. »Ob wir dieses Mal umfallen?«
»Müssen wir testen.« Dann greift er mir in den Nacken, zieht mich zu sich. Und dieser Kuss … O Gott.
Er macht süchtig.
