Bonusszene The Irish – Leah
Troy
Normalerweise bin ich stoisch, aber seit dieser kleine Wirbelwind in mein Leben getreten ist, ist nichts mehr so, wie es war, weswegen ich ziemlich aufgeregt bin, als ich mich noch einmal im Spiegel betrachte und meine Fliege richte. Und wieso zittern meine Hände dabei so?
Seufzend balle ich sie ein-, zweimal zu Fäusten, öffne sie dann wieder und hoffe, dass mir das hilft, zu relaxen.
Es klopft an der Tür und nach einem gekrächzten »Herein« betritt meine Schwester Brinley mein Schlafzimmer, in das ich mich zurückgezogen habe.
Sie lächelt mich an, als sie auf mich zukommt. »Auch wenn ich deine Schwester bin, muss ich sagen, dass du ziemlich gut aussiehst.«
»Heißt das, dass Leah nicht sofort abhauen wird, wenn sie mich sieht?«
Sie schüttelt den Kopf. »Ganz sicher nicht. Sie wird sich denken, dass sie einen richtig guten Fang gemacht hat.«
Das Kompliment freut mich, allerdings tue ich es ab. »Sind schon alle da?«
»Bei der Menge an Leuten habe ich schon den Überblick verloren, aber ich denke, ja.«
Ich seufze. »Ist es normal, dass man aufgeregt ist?« Dabei sollte ich es doch wohl am besten wissen, schließlich ist das hier nicht das erste Mal, dass ich mich an diesem Punkt befinde.
Sie nickt. »Dann weiß man, dass es richtig ist.«
»Also, wenn es danach geht, dann ist es wohl so richtig richtig.«
Sie sieht mich neugierig an. »Warst du beim ersten Mal nicht so aufgeregt?«
Ich zucke mit den Schultern. »Damals hab ich gedacht, dass sie die Richtige für mich ist, weswegen ich auch aufgeregt war, aber irgendwie nicht so. Das ist ein ganz anderes Level.«
Sie lächelt mich an. »Sei mir nicht böse, wenn ich sage, dass ich finde, dass Leah auch sehr viel besser zu dir passt als deine erste Frau.«
Ich lächele zurück. »Da ich derselben Meinung bin, kann ich dir ganz sicher nicht böse deswegen sein.«
Als ich mich zu meiner Schwester drehe, hebt sie die Hand, richtet meine Fliege, bevor sie fragt: »Bereit?«
Ich nicke. »Bereit. Weißt du, ob Leah schon da ist?«
Sie lacht auf, weil wir tatsächlich darüber gerätselt hatten, ob Leah rechtzeitig aus San Francisco zurück sein würde von dem Junggesellinnenabschied, den ihre Schwestern Orla und Terra für sie veranstaltet haben. »Befürchtest du, dass deine Braut noch halb betrunken im Juicy’s sitzt?«
Ich zucke mit den Schultern. »Hoffentlich nicht. Aber ich kenne ja mittlerweile die O’Brien-Mädels. Deswegen würde ich behaupten, dass nichts unmöglich ist.«
»Keine Sorge. Sie ist schon angekommen.«
»Gott sei Dank«, flüstere ich im Brustton der Überzeugung.
Brinley umarmt mich und ich drücke sie an mich. »Danke, dass du meine Trauzeugin bist.«
»Danke, dass du mich ausgewählt hast.« Ich drücke einen Kuss auf ihre Wange, bevor ich mit ihr gemeinsam mein Schlafzimmer verlasse.
Die Hochzeit findet auf meinem Weingut statt, weil es der einzige Ort ist, der groß genug für die Anzahl an Gästen ist, die unsere beiden Großfamilien zwangsläufig stellen. Leah hat sich eine Hochzeit im Freien gewünscht, weswegen wir das Haus verlassen und zu dem improvisierten Altar mit dem großen Blumenarrangement treten. Ich vermeide es lieber, die Gäste anzusehen, die bereits Platz genommen haben, weil das sonst leicht dazu führen könnte, dass ich Lampenfieber bekomme. Auch so bin ich mir bewusst, dass die Menge an Menschen reichlich groß ist.
Brinley greift nach meiner Hand, drückt sie. Und ich bin wirklich so froh, dass sie bei mir ist, denn ich befürchte, dass mir sonst die Knie flattern würden.
Die Musik beginnt, und die Gäste werden ruhig. Ich drehe mich zum Mittelgang, sehe die drei kleinen Mädchen in pastellfarbenen Kleidern auf mich zukommen. Sie grinsen und werfen jede Menge Blüten.
Aoife, Róisín und Kira sehen einfach herzallerliebst aus. Als sie zu mir kommen, halte ich ihnen die Hand zum Abklatschen hin, was alle drei zum Lachen bringt, bevor sie sich in die erste Reihe setzen, wo Plätze für sie freigehalten wurden.
Dann kommt Sam. Leahs beste Freundin sieht aus, als hätte sie die Zeit ihres Lebens. Sie schenkt mir ein freches Grinsen, als sie auf mich zukommt, so, als würde sie genau wissen, wie es in mir aussieht.
Aber vielleicht weiß sie das auch. Schließlich hat sie vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls geheiratet. Sie stellt sich auf die andere Seite, und dann beginnt der Hochzeitsmarsch. Das Stück, das Felix Mendelssohn Bartholdy für Shakespeares EinSommernachtstraum geschrieben hat, sorgt dafür, dass die Gäste alle aufstehen und sich dem Mittelgang zuwenden.
Einen Moment lang habe ich Sorge, dass Leah es sich noch mal anders überlegen könnte, aber dann kommt sie auf mich zu. Ich schlucke, als ich sie sehe. Sie ist sowieso immer die schönste Frau für mich, aber jetzt ist sie einfach umwerfend. Ich habe keine Ahnung von Hochzeitskleidern, deswegen kann ich einfach nur sagen, dass es weiß ist und wunderschön.
Mit der Sonne um die Wette strahlend kommt sie auf mich zu. Ich bin doch der absolute Glückspilz, dass diese Frau nicht nur in mein Leben getreten ist, sondern sich auch bereit erklärt hat, mich zu heiraten. Hätte ich das gedacht, als sie damals schlammbeschmiert, mit einem kleinen Welpen im Arm, an mein Fenster geklopft hat?
Als sie endlich bei mir ist, schüttele ich grinsend den Kopf, weil ich es einfach überhaupt nicht fassen kann, dass sie jetzt hier bei mir ist.
Der Friedensrichter räuspert sich und sagt: »Wir haben uns heute hier versammelt, um Leah O’Brien und Troy Davenport in den Hafen der Ehe zu begleiten.«
Ich weiß, was er sagen will, aber so genau kann ich gar nicht zuhören, weil ich einfach nur das wunderschöne Gesicht der Frau betrachte, die tatsächlich so verrückt ist, mich zu heiraten.
»Sie dürfen jetzt die Ringe tauschen.« Das ist das Erste, was ich wieder höre.
Leah und ich drehen uns beide in Richtung Mittelgang, als Pebbles, unser Golden Retriever, auf uns zuläuft. Sie schaut ein wenig aufgeregt nach links und rechts, aber dann sieht sie uns und rennt auf uns zu. Sie springt an Leah hoch, bellt aufgeregt – und was macht meine Braut?
Sie streichelt den Hund, statt auf ihr Kleid zu achten. Und wenn ich es nicht sowieso schon wüsste, dann wäre mir jetzt bewusst, dass sie die perfekte Frau für mich ist.
Ich tätschele Pebbles den Kopf, nehme ihr die Ringe ab, die sie in einem Säckchen am Halsband trägt. Den größeren reiche ich Leah, sehe aus den Augenwinkeln, dass Pebbles sich hinsetzt und uns anstarrt.
Der Friedensrichter sagt: »Sprich mir nach.«
Ich nehme Leahs Hand, halte den Ring in Position und wiederhole seine Worte. »Nimm diesen Ring als Zeichen meiner Liebe.« Langsam schiebe ich ihn auf ihren Finger.
Als ich ihr ins Gesicht sehe, sehe ich die Tränen in ihren Augen. Ich muss schlucken, weil ich natürlich weiß, dass es Freudentränen sind, aber ich ihr liebes Gesicht niemals in Tränen aufgelöst sehen will.
Leah greift nach meiner Hand, streift mir den Ring über. »Nimm diesen Ring als Zeichen meiner Liebe.«
Es muss regnen, denn plötzlich spüre ich, dass meine Wangen nass sind.
»Kraft des mir vom Staat Kalifornien verliehenen Amtes erkläre ich euch zu Mann und Frau. Ihr dürft euch jetzt küssen.«
Ich lege meine Hände an ihr Gesicht, ihre liegen auf meinen Oberarmen, und dann küsse ich sie. Und es ist ganz eindeutig der beste Kuss aller Zeiten – und das will schon was heißen. Schließlich sind alle Küsse von ihr atemberaubend.
Im Jubel unserer Familien ziehe ich Leah an mich, murmele ihr ins Ohr: »Du machst mich zum glücklichsten Mann aller Zeiten.«
Sie krallt sich an mir fest, flüstert: »Ich liebe dich so sehr.«
Ich kann nicht anders und küsse sie noch einmal. Dann drehen wir uns zu unserer Hochzeitsgesellschaft und gehen mit Pebbles auf sie zu. Auch wenn ich am liebsten mit Leah verschwinden würde.
***
Wir haben Pavillons aufgestellt, um alle Gäste unterzubringen. Und dahin zieht es uns jetzt, um mit unseren Gästen zu essen, zu feiern und zu tanzen.
Aber ich wiederhole mich gerne: Ich wäre viel lieber mit meiner Frau – und ich kann es immer noch nicht so ganz fassen, dass ich das jetzt sagen kann – allein. Aber Leah ist ein Familienmensch, und da sie ja zukünftig bei mir in Riverfalls wohnen wird, kann ich es nur zu gut verstehen, dass sie diese Zeit mit ihrer Familie genießen möchte.
Als Vorspeise des fantastischen Essens, das Leah sich ausgesucht hat, gibt es Ziegenkäse-Crème-brûlée. Da ich mehr so der Burger-und-Pizza-Typ bin, bin ich mir nicht sicher, was mich erwartet, aber es schmeckt tatsächlich.
Leah grinst mich an. »Hättest du doch lieber Spaghetti Bolognese gehabt?«
Ich zucke mit den Schultern. »Ich würde behaupten, dass Spaghetti Bolognese immer eine gute Idee ist.«
»Da kann ich kaum widersprechen«, sagt sie.
Ich greife nach ihrer Hand, drücke sie. »Ich bin so unglaublich froh, dass du Ja gesagt hast.«
Sie lacht auf. »Hattest du gedacht, ich könnte Nein sagen?«
Ich wiege den Kopf hin und her. »Ehrlich gesagt hatte ich Sorge, ob du überhaupt rechtzeitig zurück bist, nachdem deine Schwestern dich doch wahrscheinlich hemmungslos abgefüllt haben.«
Sie grinst. »So ist das eben, wenn man eine Irin heiratet.«
»Hey, ich würde mich niemals beschweren.«
»Auch dann nicht, wenn ich nicht rechtzeitig gekommen wäre?«
»Na ja, dann hätte ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht, aber solange du glücklich bist, bin ich es auch.« Sie lächelt mich auf diese bezaubernde Weise an, die mich schon vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen hat.
Pebbles, die unterm Tisch liegt, taucht unter dem Tischtuch hervor, legt ihren Kopf auf mein Knie und sieht mich mit ihren Hundeaugen an, die es unmöglich machen, ihr zu widerstehen. Wie gut, dass wir mittlerweile zum Hauptgang übergegangen sind, sodass ich ihr etwas von meinem Filet Mignon abgeben kann.
Leah schüttelt den Kopf. »Sie hat dich um ihre entzückende kleine Pfote gewickelt.«
Ich zucke mit den Schultern. »So klein ist die Pfote gar nicht.«
Sie lächelt mich an. »Du bist echt ein guter Hundevater.«
»Und ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Titel so voller Stolz tragen würde.« Ich beuge mich zu ihr, flüstere ihr ins Ohr: »Ebenso wie den Titel Ehemann.«
Sie strahlt mich an, und schon wieder treten Tränen in ihre Augen. Ich wische sie weg und murmele: »Hey, ab sofort keine Tränen mehr.«
Sie nickt, bevor sie ihre Lippen auf meine drückt. Und ich hoffe, dass sie das jetzt jede Stunde eines jeden Tages bis an mein Lebensende macht.
