Bonusszene Three bad lucks

Juniper

Langsam robbe ich mich von der Couch, wobei ich Ila störe, die ihren Kopf auf meinem Bauch liegen hat. Seit ich schwanger bin, weicht sie mir kaum noch von der Seite. Ich kraule sie hinter den Ohren, bevor ich aufstehe, die Hände in den Rücken stemme und stöhne. Puh, das sagt einem auch keiner, dass so ein Bauch ganz schön schwer ist.

»Hudson!«, rufe ich, bevor ich mich watschelnd auf den Weg in die Küche mache.

Wie immer kommt er sofort herbeigeeilt. »Alles okay? Geht es los? Brauchst du einen Eiswürfel?«

Ich verdrehe die Augen, weil er die Sache mit den Eiswürfeln sehr ernst nimmt. Maggie, die Frau von Jessicas Vater, hat ihm gesagt, dass es seine Aufgabe wäre, im Krankenhaus Eiswürfel für mich bereit zu halten, weil das manchen Frauen hilft. Aber er will nichts falsch machen, weswegen er jetzt schon für wahre Eismassen sorgt.

»Nein, es geht nicht los«, murre ich verstimmt.

Er grinst mich an, was ich gar nicht verstehe.

»Was?«

»Ist es nicht witzig, dass ich mal der Sonnenschein bin und du der Grummel?«

»Witzig würde ich das nicht nennen.«

»Wie denn dann?« Er tritt hinter mich, umarmt mich und legt seine Hände um meinen Bauch.

Ich lasse mich gegen ihn sacken, genieße es, wenn er einen Teil meines Gewichts trägt. Wozu habe ich mir denn sonst einen Riesen angelacht? »Verstörend.«

Er drückt seine Lippen gegen meine Schläfe. »Wenn du lieber der Sonnenschein bist, tu dir keinen Zwang an.«

Seufzend antworte ich: »Ich wünschte, ich könnte. Ich geh mir mit meinem Gemurre schon selbst auf den Geist, aber es ist alles so lästig. Das nächste Kind bekommst du.«

»Was meinst du mit das nächste?«, fragt er alarmiert.

»Na ja, willst du nicht mehr als eins? Hatte ich angenommen, weil ihr doch auch fünf seid.«

»Fünf?«, und auf einmal ist seine Stimme ein ganzes Stück höher als zuvor.

Ich lache. »Das ist vielleicht ein bisschen viel. Aber noch ein zweites? So dass sie miteinander spielen können?«

»Du weißt, ich würde dir nie was abschlagen, aber … wirklich? Ich hab das Gefühl, dass eins schon echt viel Arbeit ist.«

»Aber wir sind ja zu zweit«, ziehe ich ihn auf.

»Ja, aber das ist doch das bessere Verhältnis. Zwei gegen einen. Ich weiß, dass meine Mom immer sehr genervt war, wenn wir uns alle gegen sie verbündet haben.«

»Also kein zweites? Ich mein, du hast sechzehn Hunde.«

»Sechzehn Babys werden es auf keinen Fall!« Und die Panik in seiner Stimme ist deutlich hörbar.

Ich drehe mich um, schaue zu ihm auf. »Hast du Angst?«

»Natürlich.«

»Wirklich?«

»Ja, sicher. Du nicht?«

»Doch, aber du warst doch die ganze Zeit so souverän. Hab ich allen erzählt.«

»Weil ich nicht dachte, dass ich das Recht hab, panisch zu werden. Schließlich hast du momentan noch die ganze Arbeit. Aber wenn das Baby da ist, dann ist es auch meine Verantwortung. Da kann man schon mal Angst bekommen.«

Ich grinse ihn an. »Aber du hast doch Alasie auch mit der Flasche aufgezogen.«

»Das ist was anderes. Schließlich hatte ich da schon Übung. Sie war nicht der erste Pfannkuchen.«

Lachend frage ich: »Die kleine Wassermelone ist also der erste Pfannkuchen? Du meinst den zum Wegwerfen?«

»O Gott, das wirst du mir jetzt immer vorhalten, was?«

Ich grinse. »Das wird eine dieser Geschichten, die ich dem Kind an jedem Geburtstag erzählen werde. Und dann hat dein Vater gesagt, dass du der erste Pfannkuchen warst. Aber keine Sorge, ich hab dafür gesorgt, dass er dich trotzdem behalten hat

»Noch kaum Vater und schon die Psyche des Kindes auf ewig zerstört.« Er lässt sich in die Hocke sinken, streichelt über meinen Bauch. »Kleine Wassermelone, dein Dad hat das so nicht gemeint! Ich schwöre. Du wirst immer mein perfektes Baby sein.«

»Redest du ernsthaft mit meinem Bauch?«

Er sieht zu mir auf. »Damit sie oder er sich an meine Stimme gewöhnt.«

»Du hast also in den Babybüchern gelesen?«

Langsam erhebt er sich. »Ich hab natürlich alle von vorne bis hinten durchgelesen.«

»Wirklich?«, frage ich überrascht.

»Sicher, du nicht?«

Das schlechte Gewissen färbt meine Wangen rot. »Ähm, vielleicht nicht alle? O nein, ich bin schon vor dem richtigen Start eine schlechte Mutter.« Geknickt schaue ich auf meinen Bauch.

»Das kannst du gar nicht sein«, sagt er und legt seine Finger unter mein Kinn. Als ich ihm in die Augen sehe, lächelt er mich an. »Du bist die perfekte Hundemama, und genauso wirst du auch für unser menschliches Baby sein.«

»Puh, ich hoffe es.«

»Da hab ich gar keinen Zweifel.«

Ich lehne mich gegen ihn. »Noch zwei Wochen.«

»Soll ich dir die Management-Fassung aller Bücher geben?«

»Das wäre großartig. Ich bin immer so müde, dass ich gar nicht zum Lesen komme.« Ich grinse ihn an, als ich mich wieder aufrichte. »Ich hab übrigens Hunger. Deswegen hab ich nach dir gerufen.«

Er streichelt meine Wange. »Auf was hast du denn Appetit?«

»Auf das Mac’n’Cheese von unserem ersten Date.«

»Kriegst du.«

Ich setze mich an die Kücheninsel. Mein Stuhl steht noch da. Hudson drückt einen Kuss auf meinen Kopf, und macht sich an die Arbeit. Das ist wirklich eine meiner liebsten Beschäftigungen. Ihm beim Kochen zusehen.

Anfangs hatte ich ja durchaus noch Ehrgeiz, selber Kochen zu lernen, aber ganz ehrlich: Wozu, wenn er mich auch verwöhnen kann?

Ich stöhne, als die kleine Wassermelone tritt, drücke meine Hand gegen die Stelle.

Ila stupst mich in die Seite, während Alasie sich auf meine Füße legt. Die beiden Mädels leben momentan Vollzeit im Haus. Ach, wen will ich denn täuschen? Das ist ja nicht erst seit der Schwangerschaft so. Hudson und ich sind halt super Softies.

»Vielleicht sollte ich mal in den Whirlpool«, überlege ich. »Aber wenn ausgerechnet dann meine Fruchtblase platzt, wäre das ja ekelig.«

Er lacht auf. »Wie oft ich das Wasser schon gewechselt hab …«

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. »Ehrlich?«

»Klar. Früher schon, wenn ich mir einen runtergeholt hab, und dann mit dir … Wenn wir Sex drin hatten.« Er dreht sich zu mir um. »Was hast du gedacht?«

»Gar nichts. Das ist wohl eine der Situationen, in der du mich lieben musst, obwohl ich absolut weltfremd bin.«

»Du weißt, dass ich das tue.« Er kommt zu mir, hat einen Löffel in der Hand. »Probier mal.«

Ich öffne den Mund, lasse mir die cremige Köstlichkeit in den Mund schieben, bevor ich die Lippen schließe. »Hm«, mache ich, weil es einfach so gut schmeckt. »Davon hab ich geträumt.«

»Und ich dachte, von mir.«

Lachend streichele ich über meinen Bauch. »Das auch. Von dir und Mac’n’Cheese.«

»Ist das ein Fetisch? Oder gar nicht zusammen?«

»Doch, schon. Du, wie du mir Käse-Makkaroni kochst.«

»Also, doch ein Fetisch.«

»Ich will sie nicht von dir runter essen, wenn du das meinst.«

»Was? Kein lebendes Buffet?«

»Das gibt es?« Ich seufze. »Ich muss noch viel lernen, wenn ich unserer Wassermelone die Welt irgendwann erklären will.«

»Ich hoffe nicht, dass du ihr jemals was von einem lebenden Buffet erzählen wirst.« Manchmal muss man Hudsons trockene Art doch einfach lieben. Oder vielleicht immer.

»Glaubst du, es wird ein Mädchen?«

»Wer weiß. Ein Mensch wäre aber schon nicht schlecht.«

»Meinst du, da bestehen Zweifel, weil ich so dick wie ein Elefant bin?«

»Oh, da rieche ich doch eine Falle.« Er sieht zu mir. »So eine Frage werde ich natürlich nicht beantworten. Niemals.«

Ich verdrehe die Augen, streichele meinen Bauch. »Irgendwie mag ich es, so rund zu sein. Vielleicht, weil ich so lange viel zu dünn war.« Ich lache auf. »Wahrscheinlich würde ich heute gar nicht mehr in dieses Hochzeitskleid passen, in dem wir uns begegnet sind.« Einen Moment überlege ich. »Was ist eigentlich mit den Sachen passiert?«

»Mit dem Kleid und dem Armband?«

»Und dem Diadem.«

Er runzelt die Stirn. »Ein Diadem hatte ich gar nicht gesehen. Bist du sicher?«

»Ich hatte auf jeden Fall eins an, als ich die Hochzeit verlassen hab. Vielleicht ist es verloren gegangen.« Das kann auch nur mir passieren, dass ich so ein wertvolles Schmuckstück irgendwo in der Wildnis von Alaska verloren habe. »Und das Kleid?«

»Kleid und Armband sind im Lagerraum. Ich wusste nicht, was ich damit machen soll.«

Ich lache auf. »Nur du würdest ein Saphir-Armband in einen Lagerraum schmeißen.«

Er zuckt mit den Schultern. »Du hast dich nicht besonders darum geschert.«

»Das ist allerdings wahr.«

»Soll ich dir die Sachen holen?«

Ich schüttele den Kopf. »Aber vielleicht sollten wir das Armband in den Safe legen. Nur zur Sicherheit.«

»Willst du es behalten?« Seine Stimme nimmt einen komischen Klang an. Mittlerweile weiß ich, dass es sein Zeichen von Eifersucht ist.

»Vielleicht sollte ich es meinen Eltern zurückschicken.«

Als er hört, dass es gar nicht von Damon Sheffield III. stammt, ist er eindeutig beruhigt. Manchmal ist es schon lustig, dass so ein selbstsicherer Mann auch kleine Schwächen hat.

»Wie du möchtest. Und was ist mit dem Kleid? Ich schätze nicht, dass du es noch mal tragen wirst?«

Ich versuche, mein Schmunzeln zu verbergen, als ich sage: »Wenn ich noch mal ein Hochzeitskleid trage, dann ein sehr viel Schlichteres. Eines, das zu mir passt.«

»Verstehe.«

Und ich kann es bis hierhin rattern hören.

»Hudson.«

»Ja?« Er schaut zu mir.

»Willst du heiraten?«

Er zuckt mit den Schultern. »Hab gehört, dass es Frauen oft wichtig ist.«

»Und dir?«

»Kann nicht leugnen, dass es mir gefallen würde, wenn wir den gleichen Nachnamen hätten.«

»Campbell, meinst du?«

Er kommt zu mir, grinst mich an. »Ein Waldschrat ist nicht unbedingt ein Neandertaler. Ich würd auch deinen annehmen.«

Ich lächele ihn an. »Ist das eigentlich ein Antrag?«

»Warte.«

Er verschwindet kurz aus der Küche, bevor er mit einem Stück Band wiederkommt. »Eigentlich hatte ich das für in ein paar Monaten geplant, nach der Geburt, daher bin ich nicht vorbereitet. Sorry.« Er kniet sich vor mich hin, während mein Herz aufgeregt zu klopfen anfängt.

Er atmet tief ein. »Ich hatte gedacht, dass ich dreimal Pech hintereinander gehabt hätte. Erst stolperst du auf den Weg, dann der Blizzard und dann verletzt sich auch noch Alasie.« Die Hündin spitzt die Ohren, als sie ihren Namen hört. »Aber im Nachhinein hat sich all das als mein größtes Glück erwiesen. Du sowieso, aber der Blizzard hat uns erst zusammengebracht. Vielleicht hättest du mich gar nicht beachtet, wenn du nicht die ganze Nacht in meinen Armen gewesen wärst. Und Alasies Verletzung … Das war meine eigene Schuld, aber es hat mir auch gezeigt, was ich wirklich will. Dich. Uns. Die kleinen Wölfe.« Er macht eine Handbewegung. »All das hier.«

Ich wische mir über die Wangen. Wie soll man auch nicht weinen, wenn der Mann seiner Träume sagt, dass man sein größtes Glück ist?

»Ich hatte nie gedacht, dass das mal mein Leben sein würde, aber ich will es nicht eine Sekunde missen. Ich will dich, ich will uns. Für immer.« Er hält das Band hoch. »Willst du das auch? Wenn ja, dann heirate mich. Obwohl ich ganz sicher nicht die beste Partie bin. Aber ich verspreche, dass ich alles tun werde, um dich glücklich zu machen. Heirate mich.«

Heulend halte ich ihm meine Hand hin, und er bindet das rosane Band um meinen Ringfinger. »Aber bei einer Sache hast du dich vertan.«

»Und bei welcher?« Er sieht mich lächelnd an.

»Du bist die beste Partie, die ich machen kann. Weil mich niemand so liebt wie du.«

Er schlingt seine Arme um mich. »Und das wird immer so sein.«

Er steht auf, zieht mich mit hoch, legt seine Hände an mein Gesicht und küsst mich auf eine Weise, die … nun ja, die meine Fruchtblase platzen lässt. Das Chaos ist perfekt. Die beiden Hunde springen entsetzt auf, weil sie mit Wasser bespritzt wurden, ich bin peinlich berührt, weil ich erst denke, dass ich mir in die Hose gemacht habe, und Hudson zitiert aus allen Babyratgebern gleichzeitig.

»Ruf deinen Bruder an«, sage ich, als mir klar wird, was passiert ist.

Die Campbell-Jungs haben die letzten Monate genutzt, um eine Landebahn in der Nähe des Hauses freizuräumen, damit Lincoln oder Peyton uns ins Krankenhaus nach Anchorage bringen können, wenn es so weit ist.

Und jetzt ist es so weit.

»Ich liebe dich«, sage ich.

»Das Baby kommt«, schreit er ins Telefon, bevor er kopflos davonrennt. Hoffentlich wird im klar, dass er nicht ohne mich loskann.

Ich grinse, als ich die beiden Hündinnen betrachte, die an der Wasserlache schnuppern. »Sorry, Mädels. Tim wird sich bestimmt gut um euch kümmern.«

Dann greift Hudson nach meiner Hand. »Komm! Wir müssen los!«

***

Und was soll ich sagen? Aus dem größten Chaos kann manchmal die perfekteste Schönheit entstehen. Und die ist Elizabeth Lucille Campbell.

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